Das Projekt

Giga Rechenzentrum am Abbachhof

Chance für die Region – oder der falsche Standort?

Die Diskussion um das geplante Rechenzentrum am Abbachhof wird kontrovers geführt. Dabei gibt es gute Gründe, sich mit den Argumenten beider Seiten auseinanderzusetzen.

Was die Befürworter sagen

Deutschland und Bayern wollen ihre digitale Infrastruktur ausbauen und bei Künstlicher Intelligenz und Rechenleistung unabhängiger von außereuropäischen Anbietern werden. Dafür werden leistungsfähige Rechenzentren benötigt.

Auch für eine Gemeinde kann die Ansiedlung eines solchen Unternehmens Chancen bieten: Investitionen, mögliche Gewerbesteuereinnahmen, Arbeitsplätze und eine Stärkung des Wirtschaftsstandortes werden als Argumente genannt.

Die Gemeinde Wenzenbach betont zudem, dass bislang noch keine endgültige Entscheidung über den Bau des Rechenzentrums gefallen ist. Zunächst gehe es darum, das Vorhaben und seine möglichen Auswirkungen zu prüfen.

Diese Argumente nehmen wir ernst.

Unsere entscheidende Frage lautet deshalb nicht: Brauchen wir Rechenzentren?

Unsere Frage lautet:

Ist eine bislang weitgehend unbebaute Kultur- und Naturlandschaft am Abbachhof wirklich der richtige Standort für ein Rechenzentrum dieser Größenordnung?

Geplant ist nach den bisher öffentlich bekannten Informationen ein Rechenzentrum mit einer möglichen Anschlussleistung von bis zu 300 Megawatt. Damit handelt es sich nicht um ein gewöhnliches Gewerbeprojekt, sondern um ein Vorhaben von außergewöhnlicher Dimension.

Hinzu kommen die bereits geplante beziehungsweise diskutierte Energieinfrastruktur mit Umspannwerk und Batteriespeicher und die Frage, welche weiteren Entwicklungen dadurch langfristig angestoßen werden könnten.

Was würde sich am Abbachhof verändern?

Der Abbachhof und seine Umgebung sind heute geprägt von Wiesen, landwirtschaftlichen Flächen, alten Bäumen und Hecken, Waldflächen und einer über Generationen gewachsenen Kulturlandschaft.

Ein Rechenzentrum dieser Größenordnung benötigt nicht nur Gebäude. Es braucht eine leistungsfähige Stromversorgung, technische Infrastruktur, Zufahrten und weitere Nebenanlagen.

Damit stellt sich eine grundsätzliche Frage:

Wie viel dieser Landschaft wollen wir für eine industrielle Nutzung dauerhaft verändern?

Denn eine solche Entscheidung wirkt weit über die nächsten Jahre hinaus.

Wasser, Energie und Natur müssen vorher geklärt werden.

Zu den wesentlichen offenen Fragen gehören aus unserer Sicht die Auswirkungen auf Grund- und Trinkwasser, der enorme Energiebedarf, der Umgang mit der entstehenden Abwärme sowie mögliche Folgen für Natur, Landwirtschaft und Landschaftsbild.

Gerade aufgrund der Dimension des Projektes müssen diese Fragen transparent und nachvollziehbar beantwortet werden, bevor Fakten geschaffen werden.

Es geht nicht darum, Digitalisierung zu verhindern

Unsere Bürgerinitiative stellt die Notwendigkeit digitaler Infrastruktur nicht grundsätzlich infrage.

Rechenzentren werden gebraucht.

Aber ebenso wichtig ist die Frage, wo sie gebaut werden.

Bereits industriell oder gewerblich geprägte Flächen, ehemalige Kraftwerksstandorte oder andere vorbelastete Areale können erhebliche Vorteile bieten: vorhandene Infrastruktur, bereits versiegelte Flächen und teilweise Möglichkeiten, die große Menge entstehender Abwärme sinnvoll zu nutzen.

Deshalb sollte nicht allein gefragt werden:

„Kann man dieses Rechenzentrum am Abbachhof bauen?“

Sondern auch:

„Gibt es Standorte, an denen ein solches Projekt wesentlich weniger Schaden anrichten würde?“

Eine Entscheidung für Generationen

Wir wissen, dass Bürgermeister, Gemeinderat, Grundstückseigentümer und Projektentwickler unterschiedliche Interessen und Verantwortung tragen. Wir wollen diese Diskussion deshalb sachlich und respektvoll führen.

Gleichzeitig sind wir überzeugt, dass bei einem Projekt dieser Größenordnung wirtschaftliche Chancen allein nicht ausschlaggebend sein dürfen.

Natur, Wasser, landwirtschaftliche Flächen und eine gewachsene Kulturlandschaft sind Ressourcen, die – einmal verloren – kaum wiederhergestellt werden können.

Die Entscheidung über den Abbachhof ist deshalb mehr als eine Entscheidung über ein einzelnes Bauprojekt.

Sie ist eine Entscheidung darüber, wie sich dieser Landschaftsraum in den kommenden Jahrzehnten entwickeln soll.

Unser Anliegen

Wir möchten, dass alle Auswirkungen des Projektes transparent auf den Tisch kommen, Alternativstandorte ernsthaft geprüft werden und Bürgerinnen und Bürger frühzeitig und umfassend beteiligt werden.

Digitalisierung und Fortschritt sind notwendig. Aber Fortschritt bedeutet auch, verantwortungsvoll mit dem umzugehen, was nicht beliebig vermehrbar ist: Landschaft, Natur, Wasser und Lebensraum.